Medien, Macht und Meinungsfreiheit: „Vergessen war gestern“ ist ein medienpädagogisches Projekt in Kooperation mit dem Sonntags-Club e.V. und dem JuKuZ „Gérard Philipe“, das queere und bislang oft unsichtbare Perspektiven der DDR-Geschichte in den Mittelpunkt stellt.
Im Fokus stehen insbesondere Lebensrealitäten, die in der offiziellen Erinnerungskultur lange marginalisiert oder ausgeblendet wurden.
Das Projekt verbindet historische Aufarbeitung mit Fragen der Gegenwart: Wie wird Sichtbarkeit hergestellt – und wer bleibt unsichtbar? Welche Rolle spielen Medien bei der Verbreitung von Narrativen? Und welche Unterschiede und Anknüpfungspunkte gibt es zwischen Kommunikationskontrolle in der SED-Diktatur und heutigen medialen Strukturen?
Teilnehmende setzen sich in verschiedenen Modulen mit dem Zusammenspiel von Macht, Medien und Erinnerungskultur auseinander und entwickeln eigene Perspektiven auf Geschichte und Gegenwart. Ein zentrales Element ist dabei die aktive Medienarbeit: Jugendliche und junge Erwachsene produzieren eigene Inhalte und bringen ihre Sichtweisen in gesellschaftliche Diskurse ein.
Dies geschieht unter anderem durch die Produktion von TikTok-Videos gemeinsam mit jungen Content-Creator*innen. In kurzen, zugänglichen Formaten werden queere und marginalisierte Geschichten erzählt, historische Hintergründe aufgegriffen und mit aktuellen Themen verknüpft. Der Kanal schafft so einen niedrigschwelligen Zugang zur Auseinandersetzung mit DDR-Geschichte und regt zur Reflexion über Sichtbarkeit, Repräsentation und Medien an. Auf TikTok lässt sich der Kanal unter dem Namen „osten.mal.anders“ finden.
Ein weiterer zentraler Bestandteil ist die queere Jugendredaktion, das „Queer (Hi)story Lab“. Hier arbeiten junge Menschen eigenständig und partizipativ an eigenen Medienprojekten – etwa Dokumentationen, Zines, Graphic Novels, Audio- oder Videoformate. Sie recherchieren zu queeren Lebensrealitäten in der DDR, setzen sich mit Biografien auseinander und führen Gespräche mit Zeitzeug*innen. Dabei entstehen vielfältige Formate, die persönliche, historische und gesellschaftliche Perspektiven miteinander verbinden. Die Ergebnisse werden öffentlich präsentiert und tragen dazu bei, queere Geschichte sichtbarer zu machen.
Ergänzend finden medienpädagogische Workshops statt, in denen junge Menschen sich mit Themen wie Medien, Macht und (Un)Sichtbarkeit beschäftigen. Dabei werden historische Mechanismen wie Propaganda, Zensur und Meinungslenkung mit aktuellen Phänomenen wie Social Media, Algorithmen oder Desinformation in Beziehung gesetzt. Die Teilnehmenden analysieren, welche Stimmen Gehör finden, welche Perspektiven fehlen und wie gesellschaftliche Machtverhältnisse durch Medien beeinflusst werden.
Das Projekt stärkt nicht nur historisches Bewusstsein, sondern fördert auch Medienkompetenz, kritisches Denken und demokratische Teilhabe. Es zeigt, wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft sind, und ermutigt junge Menschen, sich aktiv in gesellschaftliche Debatten einzubringen. Durch die Verbindung von Erinnerungskultur und digitaler Medienpraxis entsteht eine zeitgemäße, inklusive Form der Geschichtsvermittlung, die insbesondere junge Zielgruppen anspricht.
Besonders queere Jugendliche werden gezielt einbezogen: Sie setzen sich mit queeren Biografien und Kämpfen in der DDR auseinander, reflektieren Kontinuitäten von Diskriminierung und Selbstorganisation und werden darin bestärkt, ihre eigenen Geschichten und Perspektiven zu erzählen.
Kontakt
Bei Interesse an Workshops zum Thema „Macht und Medien“ freuen wir uns über Anfragen: charlotte.oberstuke@jff.de