Der englische Begriff Gender hat sich im deutschsprachigen Raum als Bezeichnung für das von Gesellschaft und Kultur geprägte soziale Geschlecht etabliert. In Abgrenzung zum biologischen Geschlecht betont der Begriff Gender, dass die Geschlechtsidentität eines Menschen in einem Prozess der geschlechtsspezifischen Sozialisation erlernt und angeeignet wird. Dieser Prozess wird auch als Doing Gender bezeichnet. In der sozialwissenschaftlichen Forschung wird eine trennscharfe Unterscheidung zwischen biologischem und sozialem Gender infrage gestellt: Zum einen macht die Gendertheoretikerin Judith Butler darauf aufmerksam, dass biologische Zuschreibungen ebenfalls sozialen Prozessen unterliegen. Zum anderen weist die neurowissenschaftliche Forschung auf die Wechselwirkung zwischen Biologie und Psychologie hin. So ist beispielsweise „unsere Gehirnstruktur maßgeblich von unserem Verhalten beeinflusst […], umgekehrt können sich zum Beispiel hormonelle Veränderungen auf unsere Empfindungen auswirken.“[1]
Einzelnachweise
- Abdul-Hussain, Surur (2006/2014). „Geschlecht und Gender“. In: Gender Mainstreaming. https://erwachsenenbildung.at/themen/gender_mainstreaming/theoretische_hintergruende/geschlecht_und_gender.php [Zugriff: 14.12.2020]; Vgl. auch Butler,Judith (1991). Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.