Wenn wir wollen, dass im Netz respektvoll miteinander umgegangen wird, müssen wir benennen und reflektieren können, was als respektvoll gilt – und was nicht. In dieser Methode üben Jugendliche, Online-Kommentare anhand dieser Kriterien einzuordnen und zu diskutieren.
Respektvoll diskutieren, Kommentare in sozialen Netzwerken bewerten
- Ausgedruckte Social-Media-Beiträge mit einer Auswahl an Kommentaren (unterschiedliche Tonlagen und Positionen)
- Klebepunkte in den Farben rot, gelb und grün
In einem Workshopraum werden auf vier Tischen jeweils Beispiele für Kommentare unter Beiträgen in sozialen Netzwerken ausgelegt. Alle Teilnehmende erhalten grüne, rote und gelbe Klebepunkte, mit denen sie die Kommentare in den Kriterien respektvoll (grün), respektlos (rot), weiß ich nicht (gelb) kennzeichnen sollen. In einer stillen Phase bewegen sich die Teilnehmenden frei im Raum und „stickern“ die Kommentare nach ihrer Einschätzung. Anschließend werden die Ergebnisse gemeinsam ausgewertet und reflektiert. Besonders Kommentare, die mit unterschiedlichen Farben markiert wurden, stehen dabei im Fokus der Diskussion.
- Die Teilnehmenden üben, selbstständig einzuschätzen und zu begründen, was sie als respektvoll oder respektlos wahrnehmen.
- Die Teilnehmenden erkennen, wie unterschiedlich die Ansichten, was „Respekt“ bedeutet, sein können und hinterfragen ggf. ihre persönliche Sichtweise.
- Die Teilnehmenden lernen zwischen sachlicher Kritik und Hasskommentaren zu unterscheiden.
- Die Teilnehmenden reflektieren, inwiefern ihre eigene Positionierung, ihre Erfahrungen und ihre Identität ihre Bewertung von Kommentaren beeinflussen.
- Die Teilnehmenden erkennen, dass bestimmte Themen (z. B. Migration, Queerness, Klima, Krieg, Geschlechterrollen, Politik) (online) besonders konfliktbehaftet sind und überdurchschnittlich viele polarisierende oder hasserfüllte Reaktionen hervorrufen.
- Die Teilnehmenden verstehen, dass starke Emotionen, Provokation und Polarisierung häufig mehr Aufmerksamkeit erzeugen und dadurch Sichtbarkeit verstärken („Aufmerksamkeit erzeugt Aufmerksamkeit“).
- Warum unterscheiden sich die Bewertungen eines Kommentares?
- Ist es respektlos, auf einen respektlosen Kommentar ebenfalls respektlos zu reagieren?
- Könnte man einen eindeutig respektlosen Kommentar auch respektvoll formulieren?
- In welchen Kommentaren wird Kritik geäußert, welche sind reine Hasskommentare?
- Welche Rolle spielen Kontext, Absicht und Tonfall bei der Bewertung?
- Welche Rolle spielen meine eigenen Erfahrungen bei der Bewertung eines Kommentars?
- Warum polarisieren bestimmte Themen online besonders stark?
- Wer beteiligt sich wie an diesen Diskussionen und warum?
- Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr online auf diese(n) Kommentar stößt?
- Vor Beginn sollte geklärt werden, dass es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt, sondern unterschiedliche Wahrnehmungen, die respektvoll diskutiert werden.
- Es bietet sich an Themen zu nehmen, die im Netz kontrovers diskutiert werden, wie z. B. Migration, Queerness, Klima, Krieg, Machtverhältnisse (Politik und Medien) oder vorab Themen, die in der Gruppe eine Rolle spielen, aufzugreifen
- Die persönliche Betroffenheit einzelner Teilnehmender bei bestimmten Themen sollte berücksichtigt werden, da Diskussionen zu Diskriminierung, Identität oder politischen Konflikten eigene Erfahrungen berühren und emotional belastend sein können. Wenn absehbar ist, dass Themen in der Gruppe direkt Betroffene einschließen (z. B. bei Rassismus, Queerfeindlichkeit oder anderen Diskriminierungsformen), sollte sorgfältig abgewogen werden, ob diese Beispiele geeignet sind oder ob alternativ weniger unmittelbar belastende Fallbeispiele gewählt werden.
- Es empfiehlt sich, vorab gemeinsam Wohlfühlkriterien (siehe Methode) festzulegen, um einen möglichst sicheren Diskussionsraum zu schaffen.
Die Methode kann auch im Plenum mit Beamer oder digital (z. B. Online-Whiteboard) durchgeführt werden.
Falls jemand eine Farbenblindheit hat, sollten die Klebepunkte durch „Sticker“ mit Symbolen ersetzt oder die Farbsticker um Symbole ergänzt werden.
Die Menge der Beiträge und die Tiefe der Diskussion darüber kann variiert werden.
Die Methoden „TikTok-Watchparty“ und „Was ist streitbar?“ eignen sich gut als vorbereitende Einheiten, da „Respektvoll stickern“ thematisch und methodisch auf ihnen aufbaut.
Beispiel–Social-Media-Beiträge
