Kann man darüber streiten, ob Wasser flüssig ist, was der beste Sportverein ist, ob Männer pinke Kleidung tragen können oder darüber, wer für die Klimakrise verantwortlich ist? Diese Methode bringt Jugendliche darüber ins Gespräch über welche Themen sich streiten lässt und welche nicht streitbar sind.
Diskussionskultur in sozialen Netzwerken, Streiten
Aussagen zur Positionierung: Präsentation, ggf. ergänzt durch eigene Aussagen, die thematisch zum Workshopthema passen
Streitkultur ist besonders in sozialen Netzwerken nicht immer respektvoll und zielführend. Dieses Positionierungsspiel hilft Teilnehmenden ein Bewusstsein darüber zu entwickeln, dass nicht jede Aussage überhaupt diskutiert werden sollte. Was ist verhandelbar? Was ein indiskutabler Fakt? Hierzu positionieren sich die Teilnehmenden im Raum.
- Die Teilnehmenden setzen sich grundlegend damit auseinander, welche Aussagen und Themen sie als streitbar und welche sie als nicht verhandelbar betrachten.
- Die Teilnehmenden entwickeln ein Verständnis dafür, dass nicht jede Position eine legitime oder gleichwertige Diskussionsgrundlage darstellt (z. B. bei wissenschaftlichen Fakten oder Fragen der Menschenwürde).
- Die Teilnehmenden unterscheiden zwischen überprüfbaren Fakten, Werturteilen, persönlichen Vorlieben und normativen Grundhaltungen.
- Die Teilnehmenden reflektieren, wo persönliche oder gesellschaftliche Grenzen von Verhandelbarkeit liegen und inwiefern darüber Einigkeit oder Uneinigkeit besteht.
- Die Teilnehmenden erkennen, dass was sie für nicht streitbar halten für andere streitbar sein kann und umgekehrt.
- Die Leitung erläutert, dass sich die Teilnehmenden gleich zu Aussagen positionieren sollen: Was ist streitbar und was nicht? Teilnehmende sollen sich fragen: Was ist für mich gesetzt, worüber würde ich gar nicht diskutieren? Was ist dagegen verhandelbar?
- Alle Teilnehmenden stehen auf und stellen sich in die Mitte des Raums. Im Raum werden zwei Seiten festgelegt, damit sich Teilnehmende positionieren können: „Streitbar“ und „Nicht streitbar“.
- Die Leitung liest einen Satz vor und die Teilnehmenden positionieren sich.
- Die Leitung erfragt den Grund für die Positionierung. Ggf. ergibt sich eine kurze Diskussion über die Streitbarkeit. Leitfragen dafür können sein:
• Was macht diese Aussage für dich (nicht) streitbar?
• Handelt es sich hier um eine Meinung oder um einen überprüfbaren Fakt?
• Ist das für dich ein Thema, über das du nicht diskutieren möchtest? Warum?
Bei Änderung einer Meinung darf sich jemand auch umpositionieren.
- Anschließend stellen sich alle Teilnehmenden wieder in die Mitte des Raums und weitere Aussagen werden vorgelesen und besprochen.
- Am Ende erfolgt eine gemeinsame Reflexion der Erfahrung.
- Gab es Aussagen, bei denen euch die Entscheidung schwergefallen ist? Warum?
- Was macht eine Aussage für euch „nicht streitbar“? (z. B. Fakten, persönliche Grenzen, Menschenwürde)
- Welche Rolle spielen Gefühle in Diskussionen – online und offline?
- Bei welchen Themen würdet ihr euch nicht mehr auf eine Diskussion einlassen?
- Wie könnt ihr in sozialen Netzwerken reagieren, wenn euch etwas begegnet, das ihr für nicht diskutierbar haltet?
- Wer streitet (online) und offline über diese Themen?
- Die Workshopleitung sollte deutlich machen, dass Positionen nicht als richtig oder falsch bewertet werden
- Teilnehmende können ihre Position begründen, müssen es aber nicht. Es ist legitim zu sagen: „Dazu möchte ich nichts sagen.“
- Manche Aussagen betreffen wissenschaftlich belegte Fakten, die dennoch öffentlich infrage gestellt werden (z. B., ob die Erde rund ist). Hier kann klargestellt werden: Es geht nicht darum, ob Menschen darüber diskutieren, sondern ob man selbst solche Grundlagen zur Debatte stellen würde.
- Die Leitung sollte die Aussagen sorgfältig auswählen und an die Gruppe anpassen. Dabei ist wichtig, keine diskriminierenden Positionen zu reproduzieren oder einzelnen Teilnehmenden eine rechtfertigende Rolle zuzuschreiben.
Die Aussagen können an die Gruppe oder ein Workshopsetting angepasst werden: Wenn man die Gruppe bereits kennt, kann es Sinn machen, sich Aussagen zu überlegen, die bereits Themen in der Gruppe sind. Hat der Workshop einen konkreten thematischen Bezug, können sich auch die Aussagen darauf beziehen.
Diese Methode kann gut im Anschluss an die Methode „TikTok Watchparty“ verwendet werden.
Präsentation mit Aussagen, zu denen sich positioniert werden soll
