In Zeiten extremer politischer Strömungen, antidemokratischer Entwicklungen, Fake News und Verschwörungserzählungen ist es von besonderer Bedeutung, gezielte Maßnahmen zur Förderung von Informations- und Medienkompetenz zu ergreifen sowie Fachkräfte in ihrem pädagogischen Handeln zu stärken.

Das Projekt widerständig leistet mit der Entwicklung von praxisnahen Konzepten einen wichtigen und nachhaltigen Beitrag zur Stärkung der Informations- und Medienkompetenz und des Demokratiebewusstseins und beugt extremistischen Tendenzen präventiv vor. Dabei geht es um eine Sensibilisierung für antidemokratische Äußerungen, eine Auseinandersetzung mit medialen Phänomenen sowie medialen Informationsmöglichkeiten. Auch das pädagogische Handeln und die Widerständigkeit gegenüber Parolen und undifferenzierten Meinungsäußerungen wird gestärkt. Das Projekt richtet sich an Fachkräfte in allen Feldern der Jugendhilfe und Kita-Einrichtungen und bietet ihnen im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe basierend auf dem Konzept des Team-Teachings konkrete Methoden, Konzepte und Unterstützung an.

Zentrale Fragestellungen des Projekts sind:

  • Wie können Kindertageseinrichtungen und Einrichtungen der Jugendhilfe zu sicheren und inklusiven Orten werden, die aktiv Demokratie, Partizipation, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern – und so Radikalisierungsprozessen frühzeitig vorbeugen?
  • Welche Rolle spielen mediale Inhalte, insbesondere Desinformation und verschwörungsideologische Erzählungen, bei der Meinungsbildung und Identitätsentwicklung junger Menschen und ihrer Bezugspersonen?
  • Wie können pädagogische Fachkräfte in Kitas und der Jugendhilfe extremistischen Aussagen und Haltungen begegnen – sowohl im Umgang mit Kindern und Jugendlichen als auch mit Eltern und anderen Angehörigen?
  • Welche medienpädagogischen Strategien und kreativen Methoden eignen sich besonders, um diese komplexen Themen altersgerecht, partizipativ und wirkungsvoll mit den jeweiligen Zielgruppen zu bearbeiten?

Impulsforen für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe

Ein erstes Online-Impulsforum für Fachkräfte der Jugendhilfe fand am 10. April 2025 statt. Den fachlichen Impuls übernahm Distanz e. V. mit einem Vortrag zum Thema Desinformation und demokratische Resilienz. Der Referent zeigte auf, wie pädagogische Handlungsansätze aus der Online-Distanzierungsarbeit dabei helfen können, die Mechanismen von Verschwörungsnarrativen und Desinformation zu erkennen und durch gezielte medienpädagogische Arbeit demokratiefördernde Kompetenzen zu stärken. Im Anschluss wurden in moderierten Kleingruppen konkrete Erfahrungen, Herausforderungen und Bedarfe aus dem Arbeitsfeld der Teilnehmenden gesammelt. Diese Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für die zielgruppenspezifische Konzeption der geplanten Inhouse-Fortbildungen.

Ein entsprechendes Online-Impulsforum für Fachkräfte aus dem Kita-Bereich wurde am 22. Mai 2025 durchgeführt. Das Deutsche Kinderhilfswerk leistete mit einem Vortrag zum Thema Frühe Demokratieerfahrungen durch kinderrechtsbasierte Demokratiebildung einen inhaltlichen Impuls. Im anschließenden Fachaustausch diskutierten die Teilnehmenden aktuelle Herausforderungen im Kita-Alltag im Spannungsfeld von Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention. Auch hier wurden wertvolle Rückmeldungen zur konkreten Bedarfslage der Zielgruppe generiert, die nun systematisch in die Entwicklung passgenauer Fortbildungsangebote einfließen.

Impulsforum: Emotionale Radikalisierung – (medien-)pädagogische Ansätze für Fachkräfte
kostenfreie Online-Veranstaltung für pädagogische Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe

In der Arbeit mit Jugendlichen sind pädagogische Fachkräfte immer wieder mit Emotionen konfrontiert. Emotionen sind auch ein Faktor, der Radikalisierung in extreme politische Meinungen junger Menschen beeinflusst und zu wenig Betrachtung findet. Welche Push- und Pull-Faktoren wirken dabei, inwiefern sind Gefühle zentrale Antriebskräfte bei Radikalisierungsprozessen? Welches pädagogische Handeln kann dagegen Wirkung zeigen? In Sozialen Medien verstärkt sich dieser Prozess. Wie kann man medienpädagogisch mit Jugendlichen zu dem Thema arbeiten?

Gemeinsam mit der Aktion Jugendschutz Bayern möchten wir Sie am Mittwoch, den 13. Mai 2026, von 11:00 Uhr bis 13:00 Uhr zu einem Online-Impulsforum des Projektes widerständig einladen. Zu Beginn wird es einen fachlichen Impuls von der Aktion Jugendschutz zum Thema „Emotionale Radikalisierung“ geben. Im Anschluss stellt das widerständig-Team die Methode TokSim vor, mit welcher junge Menschen für radikalisierende Funktionsweisen in Sozialen Medien sensibilisiert werden. Gemeinsam wird die Methode getestet und steht danach auch für den pädagogischen Einsatz zur Verfügung.

Termin: Mittwoch, 13. Mai 2026
Uhrzeit: 11:00–13:00 Uhr
Ort: Online via Zoom
Teilnahme: Wir bitten um Anmeldung bis 11. Mai über das Anmeldeformular.
Ablauf:
11:00 Uhr | Impuls: Emotionale Radikalisierung, Jörg Breitweg, Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Bayern e. V.
11:45 Uhr | Praxismethode: widerständig-Methode TokSim, JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis
12:30 Uhr | Zeit für Austausch und Fragen

Hinweis zur Teilnahme
Die Veranstaltung findet in einem geschützten digitalen Rahmen statt. Der Zugangslink wird nach erfolgter Anmeldung versendet. Es gilt ein Einlassvorbehalt; der Einlass erfolgt nach Ermessen der Veranstaltenden. Grundlage der Teilnahme ist ein respektvoller und wertschätzender Umgang. Rassistische, antisemitische, sexistische oder anderweitig menschenverachtende Äußerungen werden nicht toleriert.

Inhouse-Fortbildungen

Von September bis Dezember 2025 bietet widerständig Inhouse-Fortbildungen für Einrichtungen der Jugendhilfe und im Kita-Bereich an. Mit dem Format werden pädagogische Fachkräfte darin unterstützt, populistischen und extremistischen Tendenzen professionell mit medienpädagogischen Ansätzen und Methoden zu begegnen. Ziel ist es, eine gemeinsame Haltung im Team zu entwickeln, Berührungsängste im Umgang mit Radikalisierungsprävention abzubauen und den Einstieg in medienpädagogische Praxisarbeit zu erleichtern.

Die Fortbildung beinhaltet einen kompakten Auftakt (4 Stunden) mit einer Einführung in medienpädagogische Grundlagen, grundlegende Kenntnisse zum Themenbereich der Radikalisierungsprävention sowie die Vorstellung medienpädagogischer Methoden zur Prävention extremistischer Phänomene und Verhaltensweisen. Die Inhouse-Fortbildungen können in Rücksprache mit den Einrichtungen nach thematischem Bedarf und Kapazitäten individuell angepasst werden.

Entwicklung von Ansätzen für die Arbeit in der eigenen Einrichtung

Anknüpfend an die Inhouse-Fortbildung entwickeln die Teilnehmenden begleitet durch das widerständig-Team Methoden der politischen Medienbildung für den Einsatz im eigenen Arbeitskontext. Niederschwellige Ansätze (z. B., um in Gesprächssituationen mit unterschiedlichen Jugendgruppen auf regelmäßig vorkommende populistische Äußerungen junger Menschen zu reagieren) können dabei ebenso Gegenstand der Entwicklung sein, wie komplexere Projektsettings (im Umfang von mind. 4 Stunden bis max. 2 Tage). Gerne unterstützt das widerständig-Team neben der Entwicklung auch die Erprobung und Reflexion der jeweiligen Ansätze an der Schnittstelle von Medienpädagogik und politischer Bildung.

Bei Interesse freuen wir uns über Anfragen an: widerstaendig@jff.de